Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME)

FSME wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die Viren sind im Speichel der Zecke. Sehr selten kann man sich durch verunreinigte, nicht pasteurisierte Milch von Ziegen oder Schafen anstecken.

Es ist nicht so, dass eine Frühsommer- Meningoenzephalitis nur im Frühsommer auftreten kann. Bei entsprechenden Temperaturen sind Zecken zu jeder Jahreszeit aktiv. Allerdings sind wir in den Sommermonaten besonders oft im Freien und in der Natur unterwegs, so dass in dieser Zeit das Risiko steigt, mit Zecken in Kontakt zu kommen und sich mit dem Virus zu infizieren. Enzephalitis ist die medizinische Bezeichnung für Entzündung des Gehirns, von Meningoenzephalitis spricht man, wenn auch die Gehirnhäute betroffen sind. Umgangssprachlich hat sich die Kurzform FSME als Bezeichnung durchgesetzt.

In welchen Gebieten ist das FSME-Virus verbreitet?

Viele der Krankheitserreger, die durch Zecken übertragen werden, darunter auch Borrelia burgdorferi, das Bakterium, das Borreliose auslöst, sind in unserer Klimazone flächendeckend verbreitet. Das FSME-Virus hingegen tritt regional auf und ist in Deutschland weitgehend auf Gebiete im Süden des Landes begrenzt. Es kommt vor allem in Bayern, Baden- Württemberg sowie in einzelnen Landkreisen von Rheinland- Pfalz, Hessen, Sachsen und Thüringen vor. In Europa gelten die baltischen Staaten, Russland, Weißrussland sowie Regionen in der Ukraine, in Polen, Tschechien, der Slowakei, Österreich, Slowenien und der Schweiz als Risikogebiete. Die Viren, die in den Speicheldrüsen der Zecken sitzen, werden dann beim Stich mit dem Speichel auf den Wirt übertragen.

Verbreitung der FSME – Google-Maps-Karte

Aktuelle FSME-Verbreitung im Google-Maps-Design mit Suchfunktion und Zoom: Überprüfen Sie hier, ob Sie in einem FSME-Risikogebiet leben, arbeiten oder Urlaub machen.

Legende

Definierte FSME-Risikogebiete Definierte FSME-Risikogebiete nach Robert-Koch-Institut

Landkreise mit vereinzelt auftretenden autochthonen FSME-Erkrankungen Landkreise mit vereinzelt auftretenden autochthonen FSME-Erkrankungen, die jedoch nicht der Definition für ein FSME-Risikogebiet laut dem Robert-Koch-Institut entsprechen. (Insgesamt 68 Fälle im Zeitraum 2002 – 2013)

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI), Epi. Bull. 21/2015 Stand: Mai 2015

Wie verläuft die Erkrankung?

Die typischen Symptome: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Der Stich einer infizierten Zecke führt nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung. Bei den meisten Menschen bleibt er folgenlos und es treten keine merklichen Krankheitszeichen auf. Nur etwa jeder dritte Infizierte erkrankt, mancher davon schwer. Wer besonders gefährdet ist, lässt sich nicht vorhersagen. Statistische Auswertungen zeigen, dass bei älteren Menschen der Krankheitsverlauf meist schlimmer ist als bei jüngeren und dass Männer deutlich häufiger betroffen sind.

Kommt es zum Ausbruch der FSME, verläuft die Erkrankung typischerweise in 2 Stadien:

Stadium 1: Der Patient leidet etwa ein bis zwei Wochen nach dem Stich an unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. Da viele gar nicht bemerkt haben, dass sie zuvor von einer Zecke gestochen wurden, vermuten sie oftmals eine Sommergrippe als Ursache der Krankheitszeichen. Nach ein paar Tagen lässt das Fieber nach. Für manchen ist nach diesem ersten Krankheitsstadium auch die Krankheit überstanden.

Stadium 2: Steigt nach der fieber- und beschwerdefreien Phase von etwa einer Woche das Fieber plötzlich wieder stark an, dann hat das Virus das zentrale Nervensystem befallen. Die Schwere der Erkrankung hängt nun davon ab, wo sich die Entzündung ausbreitet. Bei etwa der Hälfte der Patienten sind "nur" die Hirnhäute entzündet (Meningitis), bei schweren Verläufen kommt es außerdem zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis), seltener zu einer Rückenmarksentzündung (Myelitis). Neben dem hohen Fieber leiden fast alle Patienten an sehr starken Kopfschmerzen. Typisch ist außerdem die Nackensteifigkeit. Infolge der Enzephalitis treten mitunter Bewusstseins- und Gleichgewichtsstörungen auf. Je nachdem, welche Hirnregion entzündet ist, können schwere Formen der FSME Zittern, Gesichtslähmungen, epileptische Anfälle, Sprach- und Schluckstörungen verursachen.

Stadien und Symptome der FSME

Etwa 30 % aller mit dem FSME-Virus infizierten Personen sind frei von Symptomen, 30–50 % erkranken nur im 1. Stadium.

  • Stadium 1:
    unspezifische, grippeähnliche Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein
  • Stadium 2:
    Die Entzündung greift auf das zentrale Nervensystem über.
  1. Entzündung der Hirnhaut (Meningitis), etwa 50 % der Fälle
    Symptome: Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit
  2. Hirnentzündung (Meningoenzephalitis), etwa 40 % der Fälle
    Zusätzliche Symptome: Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörung, Lähmungen, Koordinationsstörung, Atemstörung
  3. Entzündung des Rückenmarks (Meningoenzephalomyelitis), etwa 10 % der Fälle
    Zusätzliche Symptome: schlaffe Lähmungen, Ausfall von Reflexen, Schmerzen, Blasenstörung

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Kinder erkranken seltener an einer Gehirn- und Rückenmarksent-zündung und sie erholen sich im Allgemeinen besser von der Erkrankung.

Weisen die Krankheitszeichen auf eine FSME hin, kann der Arzt durch Untersuchungen des Blutes und der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit die entzündlichen Veränderungen nachweisen. Bestätigt sich der Verdacht, bleibt nur die Möglichkeit, die Symptome zu behandeln. Eine ursächliche Therapie gegen FSME gibt es nicht. Die meisten Patienten erhalten Medikamente gegen die starken Kopfschmerzen. Bei schweren Verläufen, insbesondere im Falle von Atemlähmung oder schweren Bewusstseinsstörungen, müssen die Betroffenen intensiv im Krankenhaus überwacht werden. Bei einigen neurologischen Störungen, z. B. Lähmungserscheinungen, Sprach- und Schluckstörungen, sind u. U. langfristige Therapien wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie erforderlich.

Welche Langzeitschäden können auftreten?

Leichte Formen der FSME heilen in der Regel ohne Folgen ab. Insbesondere für Patienten, die "nur" eine Hirnhautentzündung erleiden, sind die Prognosen gut. Ungünstiger sieht es für Patienten aus, bei denen auch Gehirn und Rückenmark entzündet sind. Man geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Patienten mit Meningoenzephalitis und etwa 50 Prozent der Patienten mit Meningoenzephalomyelitis nicht wieder vollständig gesund werden. Die Betroffenen leiden langanhaltend oder dauerhaft an Folgeschäden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsund Gedächtnisschwäche, Lähmungen und neuropsychologischen Störungen.

Wie kann ich mich und meine Familie schützen?

Da FSME nicht behandelt und die Schwere des Verlaufs medizinisch nicht beeinflusst werden kann, ist es wichtig, den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Versuchen Sie daher, Zeckenstiche zu vermeiden. Für alle, die sich gerne in der Natur aufhalten, ist dies allerdings kein leichtes Unterfangen. Feste Schuhe und geschlossene Kleidung bieten einen gewissen Schutz. Gleiches gilt für die Anwendung von Insektenabwehrmitteln (Repellentien), die auf die Haut aufgetragen werden. Verlässlich ist jedoch keine dieser Maßnahmen. Der sicherste Schutz ist die FSME-Impfung.

Kontakt mit Zecken und Zeckenstiche vermeiden

  • Die meisten Menschen infizieren sich bei Freizeitaktivitäten, z. B. beim Spazierengehen, Joggen oder der Gartenarbeit.
  • Streifen Sie nicht durch hohes Gras oder Unterholz. Bleiben Sie auf festen Wegen.
  • Vermeiden Sie den Kontakt zu bodennahen Pflanzen.
  • Tragen Sie in den typischen Zeckengebieten feste Schuhe.
  • Achten Sie darauf, dass die Kleidung den Körper möglichst gut bedeckt, und schauen Sie regelmäßig, ob Zecken auf der Kleidung krabbeln. Helle Kleidung ist günstiger, da man darauf die Zecken besser wahrnehmen kann.
  • Tragen Sie ggf. zusätzlich insektenabweisende Mittel (Repellentien) auf die Haut auf.
  • Suchen Sie nach dem Aufenthalt in der Natur den gesamten Körper sorgfältig nach Zecken ab.
  • Kinder haben beim Spielen im Freien ein besonders hohes Risiko, mit Zecken in Kontakt zu kommen. Führen Sie bei ihnen die Schutzmaßnahmen besonders sorgfältig durch.
FSME

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